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1937           Fotos

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Frauenhilfe
Die Frauenhilfe hielt noch im Winter 1936/37, wie in den vorhergehenden Jahren, regelmäßig wöchentlich ihre Versammlungen im Rathaus ab. Diese Versammlungen waren immer trotz vieler Anfeindungen von anderer Seite gut besucht.

Da die Versammlungen der nationalsozial. Organisation, der Frauenschaft, weniger anzogen und darum oft recht spärlich besucht waren, entstand von dieser Seite her Neid, der sich in Worten, wie dem: "Läufste aach dem Pfarrer nach?" Luft machten. Wenn auch die jüngeren Frauen im allgemeinen, weil sie sich mehr für die Frauenschaft werben ließen, der Frauenhilfe nicht mehr beitraten, ließen sich die alten treuen Mitglieder in ihrer Anhänglichkeit gegen die Frauenhilfe nicht beirren.

Besonders beliebt waren die Sommerausflüge der Frauenhilfe. 1935 führten uns 2 Autobusse des Zweckverbandes Ulfa-Nidda nach Darmstadt, über die Bergstraße nach Heidelberg und Schwetzingen. Im Jahr 1936 führten uns dieselben Autobusse an die Edertalsperre und weiter nach Kassel-Wilhelmshöhe.

Im Berichtsjahr, in dem die bisher benutzten Verkehrsmittel nicht mehr zur Verfügung standen, ging der Ausflug per Bahn zur Hillersbachtalsperre bei Hirzenhain.

Jugend und Kirche
Der antikirchl. Beeinflussung, von der schon oben die Rede war, fällt naturgemäß die Jugend mehr anheim als das Alter. Sie ist ihr auch in den Organisationen, in denen sie steht, stehen muß, mehr ausgesetzt als das Alter. Welche Mühe und Arbeit kostet es, die Jugend - auch die Konfirmanden - zum Besuch des Gottesdienstes zu bringen. Schon in 1933 mußte der Berichterstatter über schlechten Gottesdienstbesuch der Jugend klagen (Vgl. Heimatglocken 1933 No. 7). In der Zeit seitdem ist es nicht besser geworden.

Es kam vor, daß die Schuljugend am Sonntag Morgen kurz vor dem Gottesdienst auszog, singend oder schon mehr grölend, am Pfarrhaus vorbeimarschierte und grinsend nach den Fenstern des Pfarrers schauten, als wollten sie sagen: "Was hast du uns noch zu sagen?"

Altes Fachwerkhaus
Im Januar ließ Bäckermeister Wilhelm Scheld sein Haus, Ecke Vorder- und Obergasse neu verputzen. Beim Entfernen des alten Verputzes kam ein schöner alter Fachwerkbau zum Vorschein, der wohl wert gewesen wäre als Zeuge der Baukunst vergangener Jahrhunderte der Mit- und Nachwelt sichtbar erhalten zu bleiben. Da jedoch der Besitzer fürchtete, daß das Haus ohne Verputz kälter werden möchte, und da auch die Auffrischung des Fachwerkes größere Kosten verursacht haben würde, blieb bloß der mit reichem Schnitzwerk versehene Eckpfosten und der Balken mit der Inschrift vom Verputze frei.

Die Inschrift lautet: "...ist dieser Bau durch Johann Ambrosius Hock und Anna Maria beyde Ehleut erbaut und den 17 Tag Abbrilius aufgeschlagen worden."
Während die Schrift noch gut erhalten und deutlich zu lesen war, war die Stelle, wo die Jahreszahl stand, stark verwittert und die Zahl nicht mehr zu entziffern.
Mit Hilfe unseres ältesten Kirchenbuches konnten wir jedoch leicht die Zeit, in der das Haus erbaut wurde, feststellen. Die Erbauer des Hauses wurden zum 1. Mal in einem Taufeintrag vom Jahr 1675 erwähnt. Es heißt da: "Den 10. Dezember Johann Ambroß Hock eine Tochter Margaretha getauft; Gevatterin ist eine aus der Freundschaft in Gambach."

Der Name Hock soll noch bis vor kurzem in Gambach existiert haben. (Vgl. Heimatglocken 1937 No 9)

[Nachtrag J. Fritzsche, 1996:
Inzwischen ist nach einer Renovierung durch die jetzigen Bewohner Michael und Daniela Schimpf das Fachwerk wieder ganz freigelegt und der Anfang der Inschrift zu lesen, die Jahreszahl 1674.]

Nachtrag:
1617 großer Brand in B., dem 100 Häuser zum Opfer gefallen sein sollen. Vermutlich auch das Rathaus, das 1651 [wieder] erbaut wurde. Vgl. auch die Notiz auf S. 77 dieses Buches. Offenbar konnten die Häuser erst nach Ende des 30jähr. Krieges aufgebaut werden.
Gerich, Pfr.

Zu den Fotos Herstellung und Einweihung des Gemeindesaales
Auf Seite 184 wurde von einem Beschluß des Kirchenvorstandes zur Herstellung eines Gemeindesaales berichtet. Hier kann nun von der wohlgelungenen Vollendung des Werkes berichtet werden.

Freilich vom Beschluß des Kirchenvorstandes bis zu seiner Ausführung war ein weiter Weg, auf dem es viele Hindernisse zu überwinden galt.

Schon bald nach Beschluß des Kirchenvorstandes riet ein Kirchenvorsteher dem Berichterstatter wohlmeinend, den Plan zur Errichtung eines Gemeindesaales fallen zu lassen, da von Parteiseite geäußert worden sei, wenn der Saal hergerichtet sei, dann werde sich die Partei hineinsetzen. Aber der Berichterstatter ließ sich nicht einschüchtern sondern verfolgte weiter sein Ziel.

Welche Schwierigkeiten zu überwinden waren, davon ist berichtet in den Heimatglocken 1937 No 11. Aber von einem Versuch die Sache zu hintertreiben, ist dort aus erklärlichen Gründen nicht berichtet. Darüber soll an dieser Stelle noch etwas gesagt werden.

Im Herbst 1936 ging der Antrag des Kirchenvorstandes wegen Errichtung des Saales an das Hochbauamt in Gießen. Es vergingen Monate und Monate, ohne daß von dort eine Antwort gekommen wäre. Auch eine schriftliche Anfrage blieb ohne Erfolg. Als der Berichterstatter gegen Frühjahr persönlich bei diesem Amt vorsprach, um sich nach dem Verbleib des Antrages zu erkundigen, erklärte der Oberinspektor des Amtes, bei ihm liege kein Antrag vor. Als ich ihm erklärte, der Antrag müsse vorliegen, denn er sei von mir persönlich übergeben worden, ließ er einen Schreiber kommen und fragte diesen nach unserer Sache. Da bekam der junge Mann einen roten Kopf und sagte, die Gemeinde habe den Antrag zurückgezogen. "Wie kann die Gemeinde einen Antrag des Kirchenvorstandes zurückziehen?" fragte ich. Darauf erklärte er, wie das zugegangen sei, wisse er nicht, auf jeden Fall sei der Antrag... zurückgegeben worden. "Ja, was soll ich denn nun tun?" fragte ich.
[Pfr. Gerich konnte den Bürgermeister dazu bewegen, den Antrag dem Hochbauamt wieder zuzuleiten.] Und nun ging alles flott vonstatten.

Das Hochbauamt stellte einen Kostenvoranschlag auf, der sich auf 1905 Mark belief.
Die Arbeiten wurden an einheimische Handwerksmeister vergeben und bis zum Herbst war der Saal fertig.

Die Kosten wurden wie folgt aufgebracht:
1, Die Frauenhilfe spendete ein Kapital, das sie für Ausschmückung der Kirche angesammelt hatte.
im Betrage von 280,-
2, durch freiwill. Gaben wurden 715,-
aufgebracht
3, wurde ein Darlehen beim Orgel-
und Glockenfonds aufgenommen im Betrag
von 800,-

Einnahmen- und Ausgabebelege siehe in Rechnung 1937, die Einweihung des Saales fand am 14. November statt.
[Siehe dazu Fotos vom Kirchgang mit vielen damaligen BellersheimerInnen]

Es fand ein Festgottesdienst statt, in dem 2 Söhne der Gemeinde, Dekan Vogel, Bruchenbrücken, und Pfarrer König von Kleinlinden predigten.
Dann zog man in festlichem Zug in den Saal, soweit er die Festgemeinde zu fassen vermochte - der Rest mußte im Pfarrhof bleiben - und der Ortsgeistliche hielt die  Weiheansprache über Kolosser 3,16.

Ausführlicheres siehe in Heimatglocken 1937 No 11 u. 12 u. 1938, 1 u. 2. Bei der Einweihung des Saales wurde ein Film aufgenommen, aus dem  einige Bilder hier angefügt werden. Weitere Bilder s. letztes Blatt dieses Buches.

Wegzug 2er Familien aus der Gemeinde
Im Spätherbst des Jahres verließ die Familie Georg Jakobi mit ihren beiden Söhnen Walter und Herbert unsere Gemeinde, um in dem neugegründeten Erbhöfedorf Allmendfeld bei Gernsheim 2 Erbhöfe zu übernehmen.

Das Haus, genannt "Weedschneiders" kaufte Ferdinand Bopp als Wohnung für Dienstboten.

Zu derselben Zeit zog das Ehepaar Wilh. Schmidt u. Emma, geb. Göbel nach Berstadt, der Heimat des Ehemannes, um dort die Tage des Alters zu verleben.

Das Haus dieser Eheleute ging in den Besitz von Hermann Scheld über.

Tödlicher Unfall
Am 18. Dezember wurde der Erbhofbauer Hermann Hahn mit Fuhrwerk vom Zuge erfaßt und starb noch am selben Tage.

 

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