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" Unser Leben sei ein Fest"

Wenn PolitikerInnen ein Amt antreten, halten sie für gewöhnlich eine programmatische Rede, sprechen von Vorhaben und Zielen und vor allem von der schwierigen Aufgabe, die ihnen bevorsteht. Am Anfang steht meistens eine Rede und das Blitzlichtgewitter der Medien - das gilt nicht nur für PolitikerInnen, sondern für alle, die mit einer Aufgabe ins Licht der Öffentlichkeit treten.

Szenenwechsel. Eine Hochzeit. Das Leben wird zum Fest. Für mehrere Tage wird gefeiert, dass zwei ab jetzt ihr Leben teilen. Da wird die Feierlaune jäh getrübt: Der Wein ist ausgegangen. Peinlich für die Gastgeber. Denn der Wein steht auch für die Lebensfreude und Lebensfülle. Und jetzt? Wasser statt "Schampus"? Ernüchterung statt Hochstimmung? Das Fest scheint vorbei zu sein. Aber einer der Gäste verwandelt Wasser zu erstklassigem Wein - rund 600 Liter sollen es gewesen sein - Lebensfreude und Lebensfülle im Überfluss. Das Fest geht weiter.

Erzählt wird diese Geschichte von der "Hochzeit zu Kana" im 2. Kapitel des Johannesevangeliums. Der Gast hieß Jesus und stand am Anfang seiner "Mission", die ihn dann in die Öffentlichkeit und durch die Städte und Dörfer seiner Heimat führte, um von Gottes Zuwendung und Fürsorge zu erzählen. Dem Evangelisten Johannes geht es nicht um eine vordergründige Wundergeschichte, nicht um die Behauptung, dass Jesus tatsächlich Wasser in Wein verwandeln kann. Sondern wie eine Überschrift steht diese Geschichte am Anfang seines Evangeliums und macht deutlich, was dem Wanderprediger Jesus wichtig ist.

Anders als bei PolitikerInnen gibt es am Anfang keine richtungsweisende Rede, sondern ein Fest: Gemeinsam mit anderen das Leben feiern, die Liebe, die Menschen verbindet. Das ist der Ausgangspunkt für Jesus.

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass Christsein vor allem heißt, sich an Verbote zu halten und ernst(haft) zu sein. Lebensfreude und Feste feiern? Fehlanzeige._- *Das gab es tatsächlich oft genug in der Geschichte des Christentums.

Das begann schon mit Johannes dem Täufer, der zur Buße aufrief und Gott als streng und einen gerechten Richter beschrieb. Da bleibt nur: Leistung bringen und arbeiten für das Seelenheil. Feste sind eher verdächtig: Sie haben etwas Nutzloses und Überflüssiges. Dem Täufer sind im Lauf der Geschichte viele gefolgt. Wer diese Einstellung vertritt, kann sich allerdings nicht auf Jesus berufen. Denn im Vordergrund steht bei dem, dass Gott vor allem gibt und nicht nur fordert.

Jesu Botschaft ist: Wir sollen das Leben feiern, weil es wertvoll ist. Von Gott geschenkt, jedem und jeder von uns, ausnahmslos. Bedingungslos. Bei der Geburt und jeden Tag neu. Als Liebeserklärung. Er möchte uns empfänglich machen: Dass wir dafür sensibel werden und entdecken, was das Leben reich macht, wofür es sich zu leben (und zu sterben) lohnt, gemeinsam mit anderen. So kann das "Wasser des Alltags" zu "Wein" verwandelt werden, wenn wir im Alltäglichen das Wunder entdecken und es feiern. Ein Kennzeichen von solchen Festen ist das Staunen und die Dankbarkeit. Kein Wunder, dass jedes Fest für Jesus auch ein Vorgeschmack auf das Leben in der Ewigkeit war.

Geschenktes Leben. Deshalb am Anfang ein Fest, die Hochzeit zu Kana beim Evangelisten Johannes. Am Anfang ein Fest für geschenktes Leben - ohne Vorleistung: Das ist auch so bei der Taufe von Säuglingen.

!"Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken. Unser Leben sei ein Fest an diesem Morgen und jeden Tag" - so heißt es in einem Gesangbuchlied (EG 555).

Unser Leben sei ein Fest: Vielleicht können sich manche mit diesem Satz nicht anfreunden, weil sie dabei die vor Augen haben, die aus ihrem Leben eine ständige Party machen wollen. Aber diese Form von feiern hat etwas Angestrengtes und Zwanghaftes. Ihm fehlt das Staunen und die Dankbarkeit.

Jesus war oft und viel mit anderen zusammen und hat gefeiert - aber er hat dazwischen immer wieder die Einsamkeit und den Abstand gesucht. Ständige Partygänger können meistens nicht gut allein sein.

Unser Leben sei ein Fest: Wir dürfen Feste feiern und feste feiern und den Wein der Freude, des Glücks und der Gemeinschaft trinken.

Pfarrer Johannes Fritzsche
Ev. Kirchengemeinden
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